Aus der Geschichte Schapdettens

Das Dorf Schapdetten liegt am südlichen Abhang der Detterberge. Die Region gilt als eine der ältesten Siedlungen des Westmünsterlandes. Zahlreiche Bodenfunde aus vorgeschichtlicher, merowingischer und frühchristlicher Zeit bezeugen eine uralte Besiedlung dieses Raumes. Allerdings sind Einzelheiten bis etwa 800 nach Christus nicht bekannt. Im alten Scopinggau fochten die Gefolgsleute Herzog Widukinds ihren letzten Kampf gegen den Frankenkönig Karl. In diesem Landstrich missionierte der heilige Liudger, der Herz und Gemüt der Sachsen formte. Ober der heilige Bonifatius jemals unseren Boden betreten hat, ist fraglich.

Schapdetten wird zum ersten Mal in einer Urkunde des Bischofs Siegfried von Münster (1022 - 1032) erwähnt, die im Staatsarchiv zu Marburg liegt. Bischof Siegfried weihte die vom Abt in Fulda erbaute Eigenkirche. Zur Weihe schickte das Kloster Fulda Reliquien des heiligen Bonifatius. Die Kirche in Schapdetten ist die erste Kirche in der Diözese Münster, die dem heiligen Bonifatius geweiht wurde. Es ist jedoch nicht erwiesen, ob der große angelsächsische Missionar und Apostel Bonifatius (ermordet 754 am Fluß Borne bei Dokkum in den Niederlanden), der in Friesland sein Wirkungsfeld hatte, jemals sächsischen Boden betreten hat. Somit ist die Aussage, dass der heilige Bonifatius in Schapdetten und Freckenhorst, wo ebenfalls ein Bonifatius-Patrozinium besteht, missioniert hat, in den Bereich der Sage zu verweisen. Der heilige Bonifatius ist der Apostel Deutschlands; sein Patronatstag ist der 5. Juni.

Der Haupthof Thetton war im Besitz des Klosters Fulda und im 11. Jahrhundert ein Tafelgut des Abtes. Unklar ist bis heute die Frage, was Fulda veranlasste, das Schapdettener Klostergut zu erwerben. Schapdetten ist das einzige nachweisbare Gut des Klosters Fulda in Westfalen.

Es liegt nahe, dass der Hof Detten schon um 800 nach Christus im Besitz des Bischofs von Münster war. Dieses geht aus einem Schreiben von Papst Zacharias an den heiligen Bonifatius im Jahre 754 hervor. Der Papst gibt darin seiner Freud über die Bekehrung von vier edlen Sachsen Ausdruck. Einer dieser Sachsen war ein "Dedda", den den Haupthof in seinem Besitz hatte.

Etwa seit dem 11. Jahrhundert war das Bistum in Archidiakonate gegliedert. Fürstbischof Hermann II. übertrug 1195 der Äbtissin von Nottuln die Archidiakonatsgewalt. Zur Pfarre Nottuln gehörte auch Appelhülsen und Schapdetten. Die Äbtissin hatte beträchtliche Befugnisse. Sie hielt das Sendgericht, verwaltete das kirchliche Vermögen und ihr oblag die Gerichtsbarkeit. Auch musste alljährliche Zehntkorn an das Kapital zu Nottuln entrichtet werden.

1230 tritt zum ersten mal "Scapthetten" zum Unterscheid von "Nortthetten" (Emsdetten) auf. Urkundlich wird bereits 1252 ein Priester "Lambertuns, sacerdos in Thetten" erwähnt, der bei der Äbtissin von Nottuln ein Seelenamt bestellte. Die Errichtung einer eigenen Pfarre Schapdetten konnte verhältnismäßig leicht erfolgen, da eine Kirche für die Bewohner und Hörige des Haupthofes bestand. Seit 1313 ist Schapdetten als eigene Pfarre belegt, da in diesem Jahr eine Einnahme von einer Mark verzeichnet ist.

Die umliegenden Höfe der Bauernschaft Detten unterstanden aber weiterhin der Pfarre in Nottuln und somit der Äbtissin von Nottuln. Kleine Zugeständnisse der Äbtissin waren, dass der Kinder der umliegenden Höfe in Schapdetten getauft werden konnten. Bei Toten durfte der Pfarrer von Schapdetten die Einsegnung vornehmen. Die Beisetzung musste jedoch noch in Nottuln erfolgen. Da zur Pfarre Schapdetten nur die Bewohner des Haupthofes zählten, wurden im Jahre 1498 auch nur fünfzehn Kommunikanten gezählt.

Die erste Kirche in Schapdetten war eine Holzkirche und ist mehrmals abgebrannt. Im 12. Jahrhundert wurde eine Steinkirche errichtet, dessen romanischer Turm als Festung ausgebaut wurde. Dieser alter Westturm ist noch heute in den Grundbestandteilen erhalten. Dieser Trum mit Renaissance-Treppengiebel aus Ziegeln ist der Mittelpunkt des Dorfes. An diesem Turm lehnte sich eine kleine Hallenkriche an, die zweimal in Richtung Osten erweitert wurde. Im 15. Jahrhundert wurde das Gotteshaus mit einem spätgothischen Chor ausgestattet. Im Jahre 1930 wurde die einschiffige Kirche erweitert. An der Nordseite wurde ein zweischiffiger Hallentrakt angeschlossen.

War der Haupthof im 11. Jahrhundert ein Tafelgut des Abtes von Fulda, so wurde der Hof seit dem Ende des 12. Jahrhunderts als Lehnen vergeben. Als Lehnsträger erschienen die Grafen von Tecklenburg und die von Steinfurt. Ritter Bernard von Detten hatte den Hof als erster Dette als Lehnen, während sein Sohn Heinrich 1281/82 den Hof dem Schulzen Otbert zur Bewirtschaftung übergab. Über die Herren von Wulf-Lüdinghausen und von Wulf-Füchteln gelangte der Haupthof in den Besitz des Hauses Nordkirchen. Die Herren von Morrien und von Plettenberg (seit 1694) un von Esterhazy (seit 1823) übten das Patronatsrecht über die Kirche aus. Dieses Partronatsrecht wurde noch im Jahre 1939 vom Herzog von Aremburg ausgeübt.

Im Mittelalter befand sich in unmittelbarer Nähe Schapdettens, an der alten Königstraße ("via regia"), der ältesten Straße Westfalens, der Freistuhl der Sendener Freigrafen. Die Königsstraße führte vo Stevern nördlich von Schapdetten an einer alten Burg vorbei nach Tilbeck. Nach der Überlieferung war diese Burg am Detterberg die "Lungenberg", "lughenborg" oder "Lutghenborg". Sie wird in einem Urkundenbuch 1337 erwähnt. Die Burg war eine sogenannte Ringwallburg. Durch Auswerfen von Wällen entstandenGräben, die aber im Gegensatz zu den späger entstehenden Wasserburgen trocken blieben.

In der Nähe Schapdettens liegt auch das für die Geschichte des Münsterlandes so bedeutsame Laerbrock, dort wo Dreingau, Stevergau und Scopinggau zusammenstießen. Die erste Urkunde über einen Landtag im Laerbrock stammt aus dem Jahre 1267, über eine landesherrliche Rechtshandlung des Bischofs von Münster schon aus dem Jahre 1212. Bis ins 17. Jahrhundert hinein wurde die Tradition, unter freiem Himmel zu tagen, fortgesetzt. Hier wurde jahrhundertelang das allgemeine Land-Placitum abgehalten, auf dem jeder seine Klagen und Beschwerden vorbringen konnte.

Zu erwähnen ist außerdem, dass zur Zeit des Siebenjährigen Krieges die Verbündeten in der Detterheide ein Lager errichteten, welches in den Jahren 1758, 1761 und 1762 wiederholt mit starken Truppenabteilungen belegt wurde.

 (von Heinz Rütering)