Rückblick 1946

Seit mehr als 100 Jahren feierte der Schützenverein Schapdetten jeweils am Sonntag vor Jacobi sein traditionelles Fest. Das ganze Dorf stand an den Tagen im Zeichen der Festfreunde. Infolge der Zeitverhältnisse hatte der Schützenverein auch in diesem Jahre noch keinerlei Möglichkeit zu einer offiziellen feier.

Und doch konnte man diesen Sonntag vor Jacobi nicht sang- und klanglos vorüber gehen lassen. Die Vereinskameraden fanden sich am Montagmorgen mit der ganzen Gemeinde zu einem feierlichen Requiem für die verstorbenen und gefallenen Kameraden ein. Nach einem gemeinsamen Frühschoppen beim Kameraden Pohlkötter wurden die traditionsgemäßen Besuche bei den Vereinskameraden gemacht. Die Schapdettener Brinkkapelle gab dem Ganzen ein festliches Gepräge.

Der Nachmittag trug wohl die Spannung und damit Höhepunkt des Tages. Um 3 Uhr bewegte sich ein fröhlicher Zug von Vereinskameraden zum Berg in Schulze Dettens Steinkuhle, um dort den seit alters her bekannten Kampf um die Erringung der Königswürde auszutragen. Kamerad Woltering spendierte einen echten Korn, um die Begeisterung und den Mut der Kämpfenden zu steigern. Im Gegensatz zu früheren Jahren breitete diesmal der Vogel seine Schwingen auf einer nur notdürftig hergerichteten Stnage aus. Zum Abschuß lag ein gewaltiger Haufen Steine bereit. Ein Kamerad nach dem anderen betrat bald den Kampfplatz unter begeisterten Zurufen der gespannt Wartenden.

Der Kamerad Heinz Lengers brachte dann mit wohlgezieltem Wurf den todwunden Vogel zur Strecke. Der Kampf war zu Ende.

Kamerad Rademacher leiß es sich nicht nehmen, seinen Berggästen einen guten Trunk zu reichen. Dann bewegte sich der fröhliche Zug zum Dorf. Vor dem Hause des Steinkönigs wurde der traditionelle Fahnenschlag vom Kameraden Josef Gausepohl in hervorragender Weise ausgeführt.

Alsdann scharten sich die Vereinsmitglieder mit den Bürgern und deren Festteilnehmern in den Gasthöfen Dettens zu fröhlichem Trunk zusammen.

Um 5 Uhr begann, wie in früheren Jahren, der Ball.

Kurz vor Eintritt der Dunkelheit fand die übliche Polonaise statt. Eine überaus große Anzahl Paare nahm daran teil. Bis zum andern Morgen war man bei Musik und Tanz im Festzelt fröhlich zusammen.

So hat der Schützenverein trotz aller zeitlich bedingten Schwierigkeiten auch in diesem Jahre, wenn auch in ganz bescheidenem Rahmen, sein traditionelles Schützenfest gefeiert in der Hoffnung, einmal den Glanz alter Zeiten wieder erstrahlen lassen zu können.